06 Aug. 2019

Kategorie
  • Digitalisierung

Digitalisierung im Mittelstand und die Rolle der IT (Part 1)

“Digitalisierung? Kann das nicht unser Azubi machen? Der ist doch so Internet-Affin.”

“Digitalisierung? Gib das mal an die IT Abteilung weiter.”

Diese oder ähnliche Sätze werden sich mit Sicherheit in dem ein oder anderen Unternehmen zugetragen haben. Denn obwohl das Thema “Digitalisierung” nun schon seit mehreren Jahren vermehrt in Tagespresse, Online Artikeln und Konferenzen aufgegriffen wurde und auch Teil von gesellschaftspolitischen Diskursen ist, wird es von einigen Unternehmen immer noch regelrecht stiefmütterlich behandelt. Es ist ja nur ein notwendiges Übel, das man ja eigentlich sowieso nicht braucht, oder? Es lief doch all die Jahre auch ohne, oder nicht?

Digitalisierung ist Aufgabe der Geschäftsleitung

Um die eingangs gestellten Fragen zu beantworten: Nein, für die Digitalisierung im Unternehmen ist weder der Azubi allein verantwortlich, noch die IT Abteilung oder der IT Dienstleister. Natürlich spielen Mitarbeiter und IT Partner eine wichtige Rolle im Prozess der Unternehmensdigitalisierung, doch sollte sich der ursprüngliche Impuls oder Ausgangspunkt woanders finden.

Digitalisierung muss grundsätzlich bei der Geschäftsleitung eines Unternehmens beginnen. Nur wenn ein Umdenken oder vielleicht Neudenken von der Führung eines Unternehmens angestoßen wird, lassen sich Arbeitsprozesse, Produkte oder sogar ganze Geschäftsmodelle digitalisieren, verbessern oder sogar gänzlich neu gestalten.

Was bedeutet Digitalisierung für mein Unternehmen?

Der Begriff Digitalisierung klingt gerade im Anbetracht eines wirtschaftlichen Kontexts mitunter recht abstrakt und global, was wiederum eines der Gründe für eine langsamere Adaption digitaler Prozesse bei Unternehmen darstellen könnte.

Eigentlich verwunderlich, denn leben wir doch heute schon in einer voll digitalisierten Welt. Wir bestellen Pizza im Online Portal, buchen Kinotickets mit Sitzplatzwahl per App und rufen, entsperren und bezahlen das Car Sharing Auto via Smartphone. Ganz zu schweigen von den Hunderten von Nachrichten, die wir tagtäglich mit unseren Freunden über Messaging Dienste wie What’sApp austauschen bevor wir uns unsere Lieblings-Serie auf Netflix anschauen.

Diese Beispiele zeigen wie sehr digitale Produkte und Services unser tägliches Leben prägen, bereichern und tatsächlich nur noch schwer wegzudenken sind. In anderen Worten, die Digitalisierung bzw. die digitale Transformation des privaten Lebens hat längst stattgefunden.

Damit die Digitalisierung des Unternehmens ebenso stattfinden kann, hilft es die Begrifflichkeit und vor allem die Potentiale für sich selbst etwas aufzuschlüsseln und in vier klare Bereiche zu unterteilen:

  • Digitale Prozesse und Optimierung
  • Digitale Produkte
  • Digitale Geschäftsmodelle
  • Digitale Vernetzung

Die oben beschriebenen Bereiche zeigen klar auf, wie Digitalisierung die Unternehmensstrategie beeinflussen bzw. substantieller Teil von ihr werden kann. So berücksichtigen 28% der gewerblichen Unternehmen die Digitalisierung bereits bei der Unternehmensstrategie und Planung. (Quelle: BMWi - Den digitalen Wandel gestalten - Stand 2018).

Strategie ist dabei übrigens das Stichwort. Wie auch bei den meisten Veränderungen innerhalb des Unternehmens, sollte auch bei der Digitalisierung strategisch und möglichst langfristig gehandelt werden.

Doch was bringt die Digitalisierung für mein Unternehmen? Was können wir verändern? Müssen wir überhaupt etwas verändern?

Die Antworten auf diese Fragen lassen sich meist nur schwer von externen Stellen beantworten. Denn das würde fundiertes und ausgeprägtes Wissen der internen Abläufe, Prozesse und Kommunikation innerhalb des Unternehmens erfordern. Also wer kann die Fragen beantworten? Wer bringt dieses Wissen und Kenntnisse mit?

In der Regel sind das Sie, ihre Mitarbeiter und Geschäftspartner. Denn dieser Personenkreis steht im engen Kontakt mit den internen und externen Abläufen ihres Unternehmens und weiß in der Regel was gut funktioniert, was weniger gut funktioniert und wo Wachstums- sowie Verbesserungspotentiale bestehen. Dementsprechend sollte auch genau dieser Personenkreis mit in die Digitalisierungsstrategie einbezogen werden. Und ja, vielleicht kann sogar der Azubi sinnvolle Impulse und Anregungen beisteuern.

Treiber der Digitalisierung

Wie eingangs erwähnt, beginnt die Digitalisierung des Unternehmens bei der Geschäftsführung. Wie man allerdings sieht, heißt das nicht, dass man ganz alleine vor dieser Herausforderung steht. Ganz im Gegenteil, ist man doch auf den Input der Mitarbeiter und Geschäftspartner angewiesen, um aus Problemen Lösungen und aus Anforderungen neue Produkte schaffen zu können.

Natürlich stehen die meisten Unternehmen immer vor ähnlichen Herausforderungen, sodass sich gewisse Treiber der Digitalisierung identifizieren lassen, die auf bisherige digitale Erfolge von Unternehmen zurückzuführen sind:

Produkte und Dienstleistungen im digitalen Wandel

In der Regel inspirieren auch zeitaktuelle Marktverschiebungen und Anforderungen die Digitalisierung im eigenen Unternehmen.

Eines der prominentesten Beispiele einer erfolgreichen Digitalisierung im Anbetracht des digitalen Wandels im B2C Markt, ist der US Streaminganbieter Netflix. Noch bevor der mittlerweile milliardenschwere, börsennotierte Streaming-Gigant in Europa namentlich bekannt wurde, operierte Netflix ausschließlich im US-amerikanischen Raum als Online Videothek. Der Begriff Online-Videothek bedeutete übrigens zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch tatsächlich den physischen Versand von Video-Datenträgern (DVD oder Blu-ray Discs). Betrachtet man die Firmenhistorie, hat Netflix den Bedarf an Online-Streaming und das gleichzeitige Aussterben des klassischen Filmverleih-Modells also frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert. Heute ist Netflix mit weltweit fast 150 Millionen Abonnenten der führende Anbieter in Sachen Online Streaming von Filmen und Serien. Wo Videotheken hingegen stehen, muss an dieser Stelle wohl nicht mehr explizit erwähnt werden.

Natürlich lässt sich nicht jedes Unternehmen mit der Tragweite eines Netflix digitalisieren, doch offenbart diese Geschichte, dass die Auswertung von Daten, ein Gespür für Markttrends und das eigene Bauchgefühl entscheidende Faktoren für die ersten Digitalisierungsprozesse im Unternehmen darstellen können.

Der IT Dienstleister in unterstützender Rolle

Wie sich bereits erkennen lässt, kann Informations- und Telekommunikationstechnik (kurz ITK) die Digitalisierung also nicht anstoßen, sondern lediglich unterstützen und fördern. Durch die branchenübergreifende Expertise wird der richtige IT Dienstleister oder das IT Systemhaus jedoch zu einem wertvollen Wegbegleiter, um entsprechende Impulse zu geben und Lösungen für Herausforderungen aufzuzeigen, die bisher vielleicht im verborgenen lagen oder nicht ausformuliert wurden.

Welche IT Lösungen und Möglichkeiten sich daraus genau ergeben, erfahren Sie in unserem nächsten Journal Artikel, der sich mit Cloud Computing und Cloud Infrastruktur befasst, sowie die Vor- und Nachteile für Unternehmen aufzeigt.

- Artikel verfasst von Tobias Linden, Geschäftsführer

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